Alzheimer lässt sich immer noch nicht heilen – für eine winzige Minderheit der Patienten ist es jedoch möglich, die Krankheitsentwicklung etwas zu verlangsamen. In Zukunft wird ein Antibody auch in Deutschland zur Verfügung stehen.
Zum ersten Mal hat die Europäische Kommission eine Therapie gegen Alzheimer genehmigt, die direkt auf die zugrunde liegenden Erkrankungsmechanismen zielt. Gemäß der Bekanntgabe der Kommission ist der Antikörper Lecanemab zur Behandlung im Frühstadium vorgesehen und stellt das erstmalige Erscheinen eines solchen Mittels dar, das von den Behörden der EU freigeschaltet wurde. Nach Einschätzung der Experten wäre diese Therapie nur für einen winzig kleinen Ausschnitt der Patientinnen undPatienten mit Alzheimer verfügba r.
Der im kommenden Monat möglicherweise erhältliche Medicin sollte die Erkrankung etwas bremsen. Gemäß der Europäischen Kommission ist seine Zusage dennoch durch strenge Bedingungen geprägt. Es wurde festgestellt, dass für eine spezielle Patientengruppe und unter bestimmten Umständen der Vorteil dieses Therapiemittel gegenüber dessen Nebenwirkungen dominiert.
DER SPIEGEL fasst die entscheidendsten Nachrichten des Tages für Sie zusammen: Welche Ereignisse tatsächlich von Bedeutung waren – und welche Auswirkungen sie haben. Ihre tägliche Neuigkeits-E-Mail-Updates um 18 Uhr. Jetzt kostenfrei abonnieren .
Lesen Sie hier mehr dazu: Was Personen über das neue Medikament für Alzheimer erfahren sollten
Die brüsslerische Behörde genehmigte die Empfehlung des Europäischen Arzneimittelamts (EMA) bei dieser Zusage. Bislang haben Therapien für Alzheimer lediglich die Symptome der Erkrankung behandelt und nicht die zugrunde liegenden Mechanismen im Gehirn.
Bei Lecanemab verhält es sich anders: Der Antikörper, der unter dem Namen Leqembi verkauft wird, zielt auf die Amyloidablagerungen im Gehirn ab und sollte damit helfen, den Fortschritt der Erkrankung zu bremsen, wenn sie noch am Anfang steht. Allerdings verspricht dieser Wirkstoff weder eine Heilung noch eine Besserung – ein solches Medikament liegt immer noch außer Reichweite.
Laut Experten könnte es mehrere Monate dauern, bis das Präparat tatsächlich zum Einsatz kommt. Dazu gehören vor allem die Verpflichtung des Herstellers zur Erstellung umfassender Anleitungen und Schulprogrammen für Ärzte sowie die Einrichtung eines Überwachungsregisters. Der Patient erhält das Medikament alle beiden Wochen per Infusion. Lecanemab steht bereits in den USA und in mehreren anderen Ländern freigegeben.
Nur ungefähr jeder 60. Patient mit Alzheimer erfasst wird.
Etwa 1,2 Millionen Menschen leiden laut Schätzungen an Alzheimer in Deutschland Laut den Experten vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) betrifft diese neue Therapie schlussendlich nur einen sehr kleinen Ausschnitt der Bevölkerung. Die Frühphase – also die potentielle Phase für eine Antikörpertherapie – umfasst nach ihren Angaben die ersten drei Jahre. In Deutschland betragen dies geschätzt rund 250.000 Personen.
Etwa 80 Prozent der Menschen mit einer bestimmten Perspektive bezüglich des ApoE4-Genotypes könnten infrage kommen. Allerdings erfüllen nicht alle diese Personen die notwendigen Anforderungen für eine solche Behandlung oder zeigen Interesse daran. Laut vorsichtiger Schätzungen von Experten beläuft sich dieser Prozentsatz nach verschiedenen Gesichtspunkten auf ungefähr zehn Prozent. Wenn man all dies kombiniert, könnte dies insgesamt rund 20.000 Patienten betreffen.
Frauen zeigen im Vergleich zu Männern einen erheblich weniger ausgeprägten klinischen Effekt; dennoch steht ihre Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen höher. Gemäß der Alzheimer-Forschungs-Initiative bleibt ungewiss, ob Frauen tatsächlich von einer Therapie profitieren. Etwa zwei Drittel aller Personen mit Alzheimer sind weiblicher Geschlechts.